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Power to the Pedal

Erinnern Sie sich an das Jahr 1990? Das Ende des Kalten Krieges, die Freilassung von Nelson Mandela, Luciano Pavarottis Darbietung von Nessun Dorma zur Fußball-Weltmeisterschaft in Italien? Oder daran, wie im Radsport Rudy Dhaenens die Straßen-WM in Japan und Greg Lemond seine dritte Tour de France gewann, während sich Ned Overend und Juliana Furtado zu den ersten Mountainbike-Weltmeistern kürten?

Zu dieser Zeit revolutionierte SHIMANO die Art und Weise, wie wir alle mit dem Pedal und damit mit dem Fahrrad interagieren – und zwar mit der Vorstellung der historischen ersten Serie an SPD-Pedalen, die ohne Haken und Riemen dennoch eine feste Verbindung mit dem Rad ermöglichten. Unter dem Kürzel SPD für SHIMANO Pedaling Dynamics, hat diese Produktlinie sich zum Synonym für Qualität und Haltbarkeit entwickelt. Längst wurde das System um viele SPD-Modelle für Offroad-Einsätze und Commuting sowie SPD-SL-Modelle für Rennrad erweitert.

1990 mag einem lange her erscheinen, aber verglichen mit der Geschichte des Fahrrades ist das SPD-System eine relative junge Erfindung. Bis Ende des 20. Jahrhunderts waren Flachpedale als Plattform überall verbreitet. Ambitioniertere und rennorientierte Fahrer versahen diese mit Haken und Riemen und verwendeten Cleats die flach auf der Schuhsohle montiert wurden und ins Pedal eingriffen. Diese rudimentäre Technologie hielt zwar den Fuß einigermaßen an Ort und Stelle, brachte aber auch zahlreiche Nachteile. Erstens ermöglichten sie keinerlei seitliche Bewegungsfreiheit, sodass schon die geringste Fehleinstellung Knieprobleme verursachen konnte. Zweitens konnte sich der Fahrer nie sicher sein, im Falle eines Sturzes rechtzeitig aus dem Pedal zu kommen. Und drittens waren die Haken-und-Riemen-Pedale schlicht ungeeignet für den Offroad-Einsatz, wo häufig der Fuß schnell auf dem Boden abgestützt werden muss oder Geh- und Schiebepassagen anstehen.

Seit Shozaburo Shimano im Jahr 1921 Shimano Iron Works in Sakai City in Japan gegründet hat, waren technologische Innovationen stets das Herzstück der Unternehmensaktivitäten. Angefangen mit dem ersten Freilaufritzel und der ersten Dreigang-Nabe, hat SHIMANO Schritt für Schritt das Produktportfolio erweitert und, künftige Entwicklungen und Bedarfe antizipierend, genau die Produkte entwickelt, die im Markt nachgefragt wurden. Von der Einführung des SIS Schaltsystems 1984 über die ersten Dual-Control-Schalt-/Bremshebel 1990, die erste elektrische Schaltung 2009 oder 11-fach-Systeme 2012 bis hin zu integrierten Powermeter-Kurbeln 2016 war SHIMANO stets führend in der Entwicklung modernster Fahrrad-Technologie.

Und während Ende der 1980er-Jahre viele Hersteller mit Test-Prototypen von haken- und riemenlosen Pedalen experimentierten, war es SHIMANOs System, das sich durchsetzte und effiziente und sichere Klickpedale für jeden Radfahrer hervorbrachte – ob Rennradfahrer, Mountainbiker, Cyclocrosser oder Pendler.

Innerhalb dieser ersten Baureihe zeichneten sich das Rennrad-Pedal PD-7410 und das Mountainbike-Pedal M737 durch eine Federkonstruktion vorne und hinten aus, die es dem Fahrer ermöglichte, ganz einfach einzuklicken, indem der Fuß nur fest aufs Pedal gedrückt wird, was insbesondere beim (wieder) Aufsteigen im Cyclocross- oder Mountainbike-Bereich von Bedeutung ist. Die Spannung dieser Federn ließ sich einstellen, um an die Vorlieben des Fahrers oder die Geländeeigenschaften angepasst zu werden. Die vielleicht wichtigste Innovation war aber die dramatische Verkleinerung der Cleats im Vergleich zu den bisherigen. Mit ihrem einzigartigen Zwei-Schrauben-Design ließen sich diese neuen Cleats praktisch ins Sohlenprofil der Schuhe integrieren. Dadurch wurde erstmals echtes Gehen in Fahrradschuhen möglich, wo bis dato höchstens von „Watscheln“ die Rede sein konnte.

Diese Grundprinzipien von SPD- und SPD-SL-Pedalen haben sich in all den Jahren seither nicht verändert. Allerdings haben SHIMANOS Produktexperten die Konstruktion und das Design über die Jahre permanent verfeinert und optimiert. Mit dem Leitspruch „Power to the Pedal“ und damit dem Anspruch eines wahrhaft integrierten Schuh-Pedal-Systems immer vor Augen, arbeiten SHIMANOs Ingenieure eng mit den Schuh-Spezialisten zusammen, um diese integrierte Plattform zu realisieren. Jeder Radfahrer hat grundsätzlich das Anliegen, soviel Leistung wie möglich von seiner Muskulatur über die Pedale aufs Rad zu übertragen. Allerdings setzen die verschiedenen Disziplinen, Einsatzgebiete und Fahrstile jeweils unterschiedliche Rahmenbedingungen und haben verschiedene Einflussfaktoren.

Die SPD-SL-Modelle für Rennradfahrer zeichnen sich insbesondere durch das nahtlose Interface zwischen Schuh und Pedal aus, das auf maximale Effizienz der Kraftübertragung bei höchsten Lasten und größtmögliche Stabilität beim Pedalieren, vor allem bei Sprints oder im Wiegetritt, ausgelegt ist. Die Federspannung für die Auslösehärte lässt sich dabei je nach Vorlieben und Situation variabel einstellen.

Für Mountainbike und Cyclocross bietet die SPD-Serie verschiedene Optionen für unterschiedliche Einsatzszenarien. Auch hier lässt sich die Federhärte für das Auslösen individuell einstellen und die meisten Modelle sind mit einem doppelseitigen Bindungsmechanismus versehen. Da gerade im Offroad-Bereich Schmutzresistenz ein entscheidendes Kriterium ist, ist die Bindung sehr offen konstruiert, während die spezifische Achskonstruktion dazu beträgt, dass Schmutz durch die Rotation aus dem Pedalkörper befördert wird, wenn die Pedalplatte einklickt. Gedichtete Lagerbuchsen halten Staub, Fremdkörper und Feuchtigkeit ab und reduzieren den Wartungsaufwand.

Für die besonderen Anforderungen im Offroad-Race-Bereich wird bei der Entwicklung und Fertigung der SPD-Pedale vor allem auf Zuverlässigkeit, Robustheit und Haltbarkeit besonders Wert gelegt. Genau diese Eigenschaften machen SPD-Pedale zugleich besonders gut geeignet für Ganzjahres-Pendler. Alle Offoad-Schuhe von SHIMANO zeichnen sich dabei durch die versenkte Cleat-Montage aus, sodass das Gehen fast so angenehm ist wie mit herkömmlichen Schuhen.

Die Erfahrung zeigt, dass zu viel Spiel in den Achsen den Verschleiß eines Pedals massiv beeinflussen kann. Daher lassen sich die Achsen bei allen SPD- und SPD-SL-Pedalen einfach und exakt einstellen.

Und die Entwicklung geht weiter. Durch die Kooperationen mit vielen Profi-Teams und -Fahrern aus allen möglichen Disziplinen hat SHIMANO die idealen Testfahrer an seiner Seite, um neue Produkte auf Herz und Nieren zu prüfen und ständig weiter zu verbessern. Die Teams absolvieren Tausende Kilometer mit immer neuen Modellen und geben den Entwicklern von SHIMANO dabei wertvolles Feedback, die Grundlage, auf der letztlich neue Produkte für alle Radfahrer basieren. Eine normalerweise eher unscheinbare Komponente wie das Pedal hat also eine bewegte Geschichte seit ihren Anfängen mit Haken und Riemen hinter sich – und SHIMANO hat diese Entwicklung maßgeblich beeinflusst.