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Wer kann die Welt regieren?

Das WM-Straßenrennen der Herren-Elite ist das Finale einer jeden Weltmeisterschaft. Es handelt sich immer um ein anspruchsvolles und spannendes Event, da viel auf dem Spiel steht - das begehrte Regenbogen-Jersey. Der diesjährige Kurs führt durch Innsbruck, die Hauptstadt Tirols, und gilt als einer der härtesten in der Geschichte der Straßenrad-WM. ShimanoRoad gibt einen Überblick über die wichtigsten Fahrer des diesjährigen Rennens sowie deren bisherigen Saisonerfolge und ihre Siegeschancen.

Peter Sagan

Saisonhighlights
In 2018 konnte Peter Sagan seine Erfolgsformel bei den Spring Classics, der Tour de France und der Weltmeisterschaft fortsetzen. Er gewann zum dritten Mal Gent-Wevelgem und dominierte anschließend Paris-Roubaix. Im Juli sicherte er sich sein sechstes grünes Trikot bei der Tour de France. In den letzten Wochen ist Sagan eine eher unauffällige Vuelta Espana gefahren. Dennoch konnte er an Tag 3 einen Etappensieg erzielen.

Das Rad
Ein Specialized S-Works Venge Aero-Rad mit Scheibenbremsen und einer individuellen Sonderlackierung. Sagan fährt eine Dura-Ace Di2 Gruppe und die dazugehörigen Pedale. Am Venge ist die Di2 Junctionbox geschickt in der aerodynamischen Sattelstütze verbaut.

Leistung bei Weltmeisterschaften
Phänomenal. Sagan hat die letzten drei Jahre gewonnen - eine beispiellose Meisterleistung. Wir haben uns so an den Anblick von Sagan im Regebogen-Jersey gewöhnt, dass es schwer vorstellbar ist, ihn wieder in einem anderen Trikot zu sehen. 

Nationalmannschaft 
Theoretisch gesehen ist dies Sagans Schwachstelle. Sein slowakisches Team hat weder die Stärke noch die großen Namen des französischen, italienischen oder belgischen Teams zu bieten. Sagan hat dennoch loyale Unterstützer, wie seinen Bruder Juraj und Michal Kolar. Ihre Rolle wird sein, Sagan in der ersten Hälfte des Rennens zu unterstützen. Am Ende kommt er dann alleine zurecht.

Warum er Aussichten auf den Sieg hat
Das Hauptfeld hat gelernt, Peter Sagan niemals zu unterschätzen. Er kann Radrennen auf unterschiedlichem Terrain für sich entscheiden. Im Jahr 2015 dachten in Richmond (USA) viele Kommentatoren, dass der steile Anstieg zu schwierig für ihn sei, aber dennoch holte er sich das Regenbogen-Jersey.

Wout Poels

Saisonhighlights
Poels‘ Saison war solide und der Fokus lag fast schon zu sehr auf der Unterstützung seiner Teamkollegen im Team Sky. Er wurde eher ins Team geholt, um als Hauptunterstützer von Chris Froome zu fungieren als zu einem ernstzunehmenden Rivalen zu werden. Seine Saisonergebnisse spiegeln diese Rolle wieder. Lässt man ihm - wie bei der kürzlich stattgefundenen Tour of Britain - jedoch etwas mehr Freiheit, zeigt er eine starke Performance. 

Das Rad
Ein Pinarello Dogma F10 X-light. Diese Version des mittlerweile gut etablierten Dogmas liegt zwischen einem Aero-Rad und einem herkömmlichen Rennrad. Poels verwendet wie seine Team Sky Kollegen eine Dura-Ace Di2 Gruppe mit der Junctionbox im Unterrohr. Die Laufräder sind ebenfalls von Shimano, normalerweise Dura-Ace C40s.

Leistung bei Weltmeisterschaften
Poels konnte die WM in Bergen letztes Jahr nicht zu Ende fahren, aber seine Rolle dort war die Unterstützung von Anführer Tom Dumoulin. Wäre Poels ein Anwärter auf den Titel, wenn man ihm mehr Freiheiten geben würde und der Kurs auf seine Qualitäten am Berg ausgerichtet wäre?

Nationalmannschaft
Die Niederländer präsentieren bei den Weltmeisterschaften stets ein starkes Team. Dieses Jahr liegt der Fokus auf ausgewählten Bergfahrern. Wilco Kelderman, Steven Kruijswijk und Bauke Mollema haben sich ihren Platz alle durch starke Auftritte bei den Bergstraßen der Vuelta Espana gesichert. Tom Dumoulin gilt als der am besten unterstütze Fahrer, aber könnte Poels im Falle eines schwachen Moments, in seine Fußstapfen treten?

Warum er Aussichten auf den Sieg hat
Poels gilt bei der Weltmeisterschaft als Außenseiter, aber genau das nimmt den Druck raus. Er hat seine Gewinnerform bei Liege-Bastogne-Liege, einem anderen langen und hügeligen Rennen schon einmal bewiesen. Wenn er die Ambitionen zeigt, seiner Karriere einen kleinen Schubs geben zu wollen, könnte Poels‘ Motivation ihn zum Sieg führen. 

Michal Kwiatkowski

Saisonhighlights
Gemessen an seinen hohen Standards ist Michal Kwiatkowski eine ruhige Saison gefahren. Zu den Highlights zählen die Siege bei der polnischen Meisterschaft und der Tour of Poland. Den größten Teil der Saison fungierte er jedoch als Unterstützer der Anführer im Team Sky. Vor allem bei der Tour de France war Kwiatko ein außerordentlich wertvoller Unterstützer für Geraint Thomas und Chris Froome.

Das Rad
Kwiatkowski fährt das gleiche Pinarello Dogma F10 X-light mit Dura-Ace-Komponenten und -Laufrädern wie sein Team Sky Kollege Wout Poels, aber Kwiatkowskis Rad hat eine rot-weiße Sonderlackierung in Anlehnung an seinen Sieg bei der polnischen Meisterschaft. Muss es bald in Regenbogenfarben umlackiert werden? 

Leistung bei Weltmeisterschaften
Kwiatkowski hat den Sprung vom jungen Talentfahrer zum Superstar geschafft, als er 2014 die Straßenrad-WM in Ponferrada, Spanien, gewann. Mit seiner Attacke 6 km vor dem Ziel, während einer kleinen Schwächephase, zog Kwiatko eine hervorragende, taktische Karte, um seine Verfolger abzuhängen und sich das erste Regenbogen-Jersey für Polen zu sichern. Seit Ponferrada hat Kwiatkowski bei einer Weltmeisterschaft nie mehr auf dem Podium gestanden.

Nationalmannschaft
Ähnlich wie in Peter Sagans slowakischem Team haben die Polen mit Kwiatkowski einen klaren Anführer, der von starken Kollegen unterstützt wird. Aus dem Team Sky stammen Michal Golas und der talentierte Nachwuchsfahrer Lukas Wisniowski. Auch auf die Bodnar-Brüder Lukasz und Maciej ist Verlass.

Warum er Aussichten auf den Sieg hat
Kwiatkowskis Talent als Rennradfahrer bedarf keiner Bekanntmachung. Er ist ein wahres Allroundtalent und taktisch sehr klug. Entlässt man ihn aus seiner üblichen Rolle beim Team Sky, sucht er nach Wegen, um sich selbst in die richtige Position für den finalen Anstieg nach Gramart zu bringen. Er überzeugt sowohl als Bergfahrer als auch als Sprinter - die Frage ist nur, in welcher Form er nach einem langen Rennsommer ist.

Julian Alaphilippe

Saisonhighlights
Alaphilippe war in der Saison 2018 der herausragendste Fahrer. Er gewann Fleche Wallone, zwei Etappen der Tour de France und der King of the Mountain Klassifikation, die Clasica San Sebastian, die Tour of Britain und kürzlich die Tour of Slovenia. 

Das Rad
Ein Specialized S-Works Tarmac SL6. Alaphilippe fährt das leichteste Rad, das Specialized produziert, mit einer relativ standardmäßigen Ausstattung mit einer Dura-Ace Di2 Gruppe. Normalerweise fährt er einen 53-39-Kurbelsatz und eine 11-28-Kassette, aber bei dem höllischen Anstieg nach Gramart werden möglicherweise kleinere Gänge zum Einsatz kommen. 

Leistung bei Weltmeisterschaften
Die WM 2017 in Bergen endete mit einem kleinen Massensprint, bei dem sich Julian Alaphilippe den 10. Platz sicherte. Auch Ergebnisse früherer Meisterschaftsrennen zeigen, dass er in der Lage ist, am großen Tag seine Leistung abzurufen. So wurde er Zweiter bei den Europameisterschaften 2016 und Vierter beim Straßenrennen bei den Olympischen Spielen in Rio.

Nationalmannschaft
Der Trainer des französischen Teams, Cyrille Guimard, genießt den Luxus, zwischen vielen begehrten Bergfahrern für sein Team wählen zu können - so gibt es neben Alaphilippe noch Romain Bardet, Thibaut Pinot und Warren Barguil. Aber er wird auch Allround-Talente brauchen, sodass beispielsweise Lilian Calmejane, Tony Gallopin und Kenny Elissonde in Frage kommen. Die einzige Frage ist, ob Manager Guimard es schafft, sein Team zu einer Einheit werden zu lassen.

Warum er Aussichten auf den Sieg hat
Alaphilippe fährt mit Elan und kontrollierter Aggressivität. Er hat behauptet, dass er sei weder ein Sprinter noch ein Bergfahrer sei, aber in Wirklichkeit ist er beides. 2018 ist er von der Kategorie „vielversprechend“ in die Kategorie „geschafft“ gerutscht. Sein Selbstvertrauen muss stratosphärisch sein und wenn er seine Form noch eine Woche halten kann, zählt er in Innsbruck zu den großen Anwärtern auf den Titel.

Tom Dumoulin

Saisonhighlights
Für einen Fahrer, der eine große Tour (Giro d'Ìtalia 2017) gewonnen hat, hat ein zweiter Platz immer einen bittersüßen Beigeschmack und genau das ist Dumoulin in 2018 zweimal passiert. Als Zweiter bei der Tour de France und dem Giro d‘Italia und ohne irgendwelche Straßenrennsiege ist es verständlich, dass Dumoulin mit seiner bisherigen Saison 2018 nicht zufrieden ist. Könnte die Weltmeisterschaft seine Erlösung sein?

Das Rad
Ein Giant TCR mit Shimano Dura-Ace Bremsen, Fahrwerk und Pedalen. Dumoulin verwendet 175mm Kurbeln und ein Dura-Ace Powermeter.

Leistung bei Weltmeisterschaften
Dumoulin ist amtierender Weltmeister im Einzel- und Team-Zeitfahren. In Bergen war auch er beim Schlusssprint dabei, aber da er kein wahrer Sprinter ist, wurde es am Ende Platz 25 für ihn. In Richmond 2015 wurde er Elfter und in Ponferrada 2014 reichte es am Ende für Platz 22. 

Nationalmannschaft
Jeder Fahrer trägt sein Nationaltrikot mit Stolz, aber die Niederländer versprühen mit ihren orangefarbenen Trikots eine ganz besondere Hingabe. Ihr Team ist stark und hoch motiviert. Wie die meisten großen Teams werden sie auf eine Kombination an Optionen für den Sieg sowie tatkräftige Unterstützer setzen.

Warum er Aussichten auf den Sieg hat
Für Tom Dumoulin hängt viel von seiner Leistung beim Einzelzeitfahren und seiner anschließenden Motivation ab. Sein Stil ist bedächtig und kontrolliert und somit ideal für eine dreiwöchige große Tour. Er hat zwar nicht diese explosive Beschleunigung, wie beispielsweise Julian Alaphilippe, aber möglicherweise spielt ihm die Härte des Kurses in Innsbruck in die Karten. Wenn andere ihre Körner zu früh verschießen und Dumoulin geduldig bleibt, könnte er vielleicht zwei Regenbogen-Jerseys aus Österreich mit nach Hause bringen.

Simon Yates

Saisonhighlights
In 2018 ist Simon Yates in das höchste Fahrradlevel aufgestiegen - in das eines großen Tourgewinners. Seine Leistung beim Giro d‘Italia war beeindruckend und auch, wenn er in Rom nicht den Sieg einheimsen konnte, so brachte er dennoch jede Menge Stärke und Selbstvertrauen mit zur Vuelta.

Das Rad
Der Vuelta-Sieger fährt ein Scott Addict mit Dura-Ace-Schaltung und -Bremsen. Sein Lenker ist sowohl mit Schalthebeln für den Sprint an der Unterseite sowie Schalthebeln zum Bergfahren an der Oberseite ausgestattet.

Leistung bei Weltmeisterschaften
Yates war noch nie im Rennen um das Regenbogen-Jersey, aber es passte auch keine Strecke der vergangenen Jahre zu seinen Fähigkeiten. Sein Bruder ist wohl der bessere Eintags-Rennfahrer und konnte sich 2015 den Sieg bei der Clasica San Sebastian sichern. 

Nationalmannschaft
Traditionell zählt das britische Team bei den Weltmeisterschaften nicht zu den stärksten. Aber die immer größer werdende Bedeutung Großbritanniens als Fahrradnation sowie ein Teamethos wie man ihn von den Italienern kennt, haben dafür gesorgt, dass Großbritannien für das kommende Rennen auf der Liste der Topteams weit oben steht. Ian Stannard, Bergfahrer Hugh Carthy, Landesmeister Connor Swift und Simons Bruder Adam werden alle in Innsbruck starten.

Warum er Aussichten auf den Sieg hat
Wenn Yates die Euphorie seiner Vuelta mit nach Innsbruck tragen kann, muss man bei der Weltmeisterschaft mit ihm rechnen. Seine Bergfahrqualitäten passen ideal zum Kurs, er hat ein starkes Team hinter sich und er hat keine Angst vor der Konkurrenz.

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