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Von Shimano gesponserte Fahrer

holen zweimal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften

Wäre es einfach, Gewinner vorherzusagen, gäbe es keinen Grund mehr, die UCI-Straßen-Weltmeisterschaften abzuhalten (oder besser noch: dann wären wir alle reich). Beim diesjährigen Wettkampf war alles dabei: gute Leistungen, Pech und unerwartete Ereignisse. Die Bilanz für Shimano-gesponserte Fahrer? Eine Medaille in jedem der sechs Rennen der Elite-Kategorie – doch nicht in jedem Fall deckten sich die Medaille bzw. der Medaillenträger mit den Erwartungen.

Das erste Elite-Rennen war das Mannschaftszeitfahren der Frauen am Sonntag, dem 20. September. Viele rechneten bei diesem mit einer Mini-Revolution, nachdem das von Shimano gesponserte Rabo Liv Women Cycling Team den ewigen Gewinner Velocio-SRAM bei der UCI-Weltmeisterschaft im August geschlagen hatte. Doch es sollte nicht sein. Das Team Velocio-SRAM war gut – es tat, was es tun musste, und gewann erneut Gold. Die Bronze-Medaille ging an das Team Rabo Liv, das ein weiteres Jahr warten muss, bevor es seinen Rivalen vom Thron stürzen kann.

Das Elite-Mannschaftszeitfahren der Männer endete wie erwartet, und das BMC Racing Team war das erste von Shimano gesponserte Team, das Gold holte. Das Team Etixx-QuickStep, das mit nur elf Sekunden hinter BMC den zweiten Platz errang, brachte BMC jedoch ganz schön ins Schwitzen. Unerwartet verlief das Rennen für ORICA-GreenEdge. Als Goldanwärter verlor das Team unterwegs zwei Fahrer und damit schließlich jegliche Aussicht auf eine Medaille. Es wird sich umgruppieren und eine neue Strategie entwickeln müssen, um nächstes Jahr auf der Leiter wieder nach oben zu klettern.

Spannend wie ein guter Krimi war das Elite-Einzelzeitfahren der Frauen, bei dem die Neuseeländerin Linda Villumsen mit knappen 2,54 Sekunden vor Ann van der Breggen vom Team Rabobank Liv siegte. Van der Breggen, die zunächst gegenüber den Medien enttäuscht erklärte, den Sieg so knapp zu verfehlen, fühle sich eher an wie Gold zu verlieren als Silber zu gewinnen, kann stolz auf ihre Leistung sein. Villumsen ist eine würdige Gewinnerin, die in den vergangenen Jahren drei Bronze- und zwei Silber-Medaillen im Einzelzeitfahren bei den Weltmeisterschaften errungen hat. Ihre Zeit war gekommen.

Tony Martin, Tom Dumoulin, Rohan Dennis – dies sind die Namen der Elite-Einzelzeitfahrer, auf die das Publikum sein sauer verdientes Geld setzte. Gold ging jedoch an den von Shimano gesponserten Außenseiter Wassil Kiryjenka. Der Team-Sky-Fahrer aus Weißrussland lieferte eine Meisterleistung ab: Er fuhr die schnellsten Teilstrecken und ging mit neun Sekunden Vorsprung vor dem Zweitplatzierten, dem Italiener Adriano Malori, ins Ziel. Der Pechvogel-Preis geht an Rohan Dennis. Als einer der Favoriten für einen Platz auf dem Treppchen musste er sich nach einer Reifenpanne nach der Hälfte des Rennens mit der Platzierung als Sechster zufrieden geben.

Spannungsgeladene Straßenrennen

Am letzten Wochenende der Meisterschaften ereigneten sich zwei mitreißende Straßenrennen der Elite-Kategorie. Van der Breggen erlebte zu ihrem Leidwesen eine Art Déjà-vu, als Elizabeth Armistead Liz sie direkt vor der Ziellinie überholte und das Straßenrennen der Frauen mit einer Radlänge Vorsprung gewann. Mit einer dritten Medaille bei dieser Meisterschaft sieht es jedoch ganz danach aus, als würde Van der Breggen in die Fußstapfen ihrer Teamkameradin Marianne Vos treten.

Genau als alle dachten, es könne nicht besser werden, wurde der von den Frauen am Vortag gesetzte Maßstab wiederholt. Es gibt wohl keinen Fahrer im Peloton und keinen Zuschauer entlang der Strecke, die Peter Sagan seinen langersehnten Sieg und die Chance missgönnen würden, seinen unliebsamen Ruf als ewig Zweitplatzierter loszuwerden. Silber holte diesmal der von Shimano gesponserte Fahrer Michael Matthews, dem es nicht gelang, die kleine Lücke zu Sagan zu schließen, und der drei Sekunden nach dem Gewinner ins Ziel ging. Seine Performance ist jedoch als Kampfansage zu betrachten.

Kiryienka und Villumsen mit Gold um den Hals, Ferrand-Prévot und Tom Dumoulin mit leeren Händen. Wer hätte das gedacht? Wie ein Nobelpreisträger für Physik einmal sagte: „Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.“